13 Feb

Abmahnungen wegen Fotos auf Berater-Webseiten

Die Abmahnindustrie hat offensichtlich die Fotos auf Webseiten als neue Geldquelle entdeckt. Das bekommen Berater, Trainer, Coaches und Speaker gehäuft zu spüren.

 

Bereits zum dritten Mal in recht kurzer Zeit erreichte mich heute der telefonische Hilferuf eines Beraters aus meinem Netzwerk, der wegen eines Fotos auf seiner Webseite abgemahnt wurde. Weniger die Datenschutzverordnung, wie vor einigen Monaten von vielen Online-Marketing-Beratern noch apostrophiert, scheint die „Abmahnindustrie“ als neue Geldquelle für sich entdeckt zu haben, als die unrechtmäßige Verwendung von Bildern. Dabei sind die Anlässe für die Abmahnungen zum Teil recht absurd. Dies sei anhand der drei Beispiele illustriert.

 

Berater-Abmahnungen: drei Fallbeispiele

  1. Fall 1: Foto in Bild von Artikel.

    Im Spätsommer 2018 wurde ein Beratungsunternehmen abgemahnt, weil es seit 2015 in der Rubrik „Veröffentlichungen“ seiner Webseite ein briefmarken-großes Bild der ersten Seite eines vom Firmeninhaber verfassten Artikels, der in einer Fachzeitschrift erschienen war, veröffentlicht hat. In den Artikel zum Thema „Konfliktmanagement“ hatte die Redaktion der Zeitschrift als Aufmacherfoto auch ein Foto der Hände von zwei Personen integriert, die „Mensch-ärgere-dich-nicht“ spielen. Dieses Fotos war folglich auch auf dem Bild der ersten Seite des Artikels auf der Webseite zu sehen. Hierfür wurde das Beratungsunternehmen vom Anwalt des Fotografen abgemahnt und musste bezahlen, obwohl der eigentliche Verursacher die Redaktion der Fachzeitschrift war und sich nicht mehr klären ließ, ob diese das Foto recht- oder unrechtmäßig verwendet hat. Denn die Fachzeitschrift nebst deren Verlag existierte inzwischen nicht mehr; somit auch die Redaktion.

  2. Fall 2: Foto in einem ur-alten Newsletter.

    Im Januar 2019 wurde ein Berater abgemahnt, weil er vor neun Jahren in einem Newsletter das Foto eines Wasserglases veröffentlichte, das auf einem Tisch steht. Das Problem: Den Newsletter konnte man noch im Archiv der Webseite des Beraters anschauen und von dort, sofern gewünscht, herunterladen. Dies war in den letzten Jahren zwar nur ein Mal geschehen (vermutlich von dem Anwalt, der die Abmahnung versandte, oder einem seiner Mitarbeiter), das half jedoch nicht: Der Berater musste bezahlen.

  3. Fall 3: Foto auf ehemaliger Webseite.

    Vergangene Woche erhielt ein Berater eine Abmahnung für ein Foto, das er auf seiner seit zwei, drei Jahre nicht mehr aktiven, alten Webseite veröffentlicht hatte. Dass die Webseite schon lange nicht mehr aktiv ist, brachte der Berater bzw. sein Anwalt auch als Einwand gegen die Abmahnung vor. Daraufhin erhielt er die Antwort, dies sei irrelevant, weil die alte Webseite noch im Internet-Archiv http://web.archive.org/web/20110125072133/http:/…. zu finden sei. Also wird auch dieser Berater bezahlen.

 

Bei Abmahnungen werden Beratern stets Fristen gesetzt

Übrigens die Hilferufe der Berater erreichten uns nicht, weil wir wissen, inwieweit Abmahnungen rechtens sind. Davon haben wir keine Ahnung – darum müssen sich Fachanwälte kümmern. Die Hilferufe erreichten uns, weil in den Abmahnungen den Beratern stets eine Frist gesetzt wird, bis wann die „unrechtmäßig“ genutzten Bilder bzw. die Dokumente, in denen sie verwendet wurden, wieder aus Netz verschwunden sein müssen. Und hierbei baten uns die Berater um Unterstützung.

 

In den beiden erstgenannten Fällen war dies kein Problem. Im letztgenannten Fall wird mein Mitarbeiter Lukas Leist morgen sein Glück versuchen. Gelingt es ihm nicht, wird der Berater außer dem Anwalt noch einen Spezialisten engagieren müssen.

 

Abmahnindustrie nutzt Analyse-Programme im Netz

Dies nur als Hinweis für Sie, falls Sie eventuell auch auf Ihrer Webseite ein, zwei Fotos befinden, deren Verwendung rechtlich zweifelhaft ist. Entfernen Sie diese von Ihrer Webseite, denn die Abmahnindustrie nutzt inzwischen gezielt Software-Analyse-Programme, um diese aufzuspüren – und diese gelingt ihr, unter anderem dank einer nicht selten fürs menschliche Auge unsichtbar in die Bilder integrierten Kennung oft auch.

 

Bei Abmahnungen bitte nicht die PRofilBerater kontaktieren

Und noch ein Wunsch: Bitte wenden Sie sich, falls Sie mal eine solche Abmahnung erhalten sollten, wegen der nötigen „Reinigungs-“ bzw. Entrümpelungsaufgaben“ nicht an uns. Denn wir sind zwar Experten für so manches, doch hierfür nicht – auch wenn wir vereinzelt „Netzwerk-Partnern“ aus der Patsche helfen.

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