01 Apr

Amazon-Bewertungen bewerten

Beim Kauf von (Fach-)Büchern spielen Kundenbewertungen im Internet eine wichtige Rolle. Deshalb versuchen viele Buchautoren, den Verkauf ihrer Werke durch positive Besprechungen zum Beispiel bei Amazon zu puschen. Also sollten potenzielle Käufer ein Gespür dafür haben: Welche Besprechung ist „echt“ und welche „gefakt“?

Die meisten von Beratern, Trainern und Coaches  verfassten Fach- und Sachbücher sind in den Buchhandlungen nicht vorrätig. Also können potenzielle Leser und Käufer dort in ihnen nicht schmökern. Deshalb orientierte sich ihre Kaufentscheidung stark daran, wie diese Bücher unter anderem bei Amazon von Lesern bewertet werden. Das wissen die meisten Personen, die ein Buch schreiben, um ihre Bekanntheit und somit ihr Geschäft zu puschen – wie zum Beispiel so manch Berater. Also arbeiten sie nach dem Erscheinen ihres Buchs darauf hin, dass möglichst viele Top-, also 5-Sterne-Bewertungen von diesem bei Amazon erscheinen – von Bekannten und Verwandten sowie PR-Unterstützern, in der berechtigten Hoffnung: Dann bestellen mehr Leute mein Buch. Das ist okay – denn das Bücher-schreiben ist kein Selbstzweck, sondern eine Marketing-Investition.

 

Als Rezension getarnte Buch-PR nervt

Lästig, weil irreführend werden die vielen „gefakten“ Rezensionen jedoch, wenn man als Berater selbst auf der Suche nach einem Buch zu einem Thema ist – beispielsweise um sich weiter zu bilden. Dann ist es hilfreich, Kriterien an der Hand zu haben, um zu bewerten: Handelt es sich bei den Besprechungen um „echte“ oder un-echte“, weil vom Autoren initiierte Rezensionen? Denn nur dann kann man sich ein mit hoher Wahrscheinlichkeit zutreffendes Urteil darüber bilden: Ist das Buch „…“ interessant für mich?

 

Vorsicht ist angesagt, wenn schon wenige Tage, nachdem ein Buch lieferbar ist, ein halbes Dutzend 5-Sterne-Bewertungen im Netz stehen. Denn dann wurde das Buch bei den tatsächlichen Bestellern meist noch nicht ausgeliefert. Und wenn doch? Dann hätten sie das Buch nach Erhalt in einem Rutsch lesen und anschließend sogleich eine Rezension schreiben müssen. Das ist bei einem Fachbuch unwahrscheinlich. Deshalb sind diese Besprechungen meist „gefakt“.

 

„Gefakte“ Bewertungen lassen sich leicht erkennen

Dasselbe gilt, wenn – wie bei einem 2015 erschienenen Buch eines Vertriebsberaters – bereits einen Monat nach dem Erscheinungstermin mehr als 50 zumeist 5-Sterne-Besprechungen bei Amazon stehen. Auch dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch: Der Autor animierte seinen Freundes- und Bekanntenkreis, positive Buchrezensionen zu publizieren. Denn eine so große Zahl von Buchbesprechungen lösen selbst Neuerscheinungen solcher Star-Autoren wie Ken Follet und Joanne K. Rowling in so kurzer Zeit nicht aus, obwohl deren Bücher weit häufiger verkauft werden. Deshalb Vorsicht bei allen Büchern, bei denen schon kurz nach Erscheinen sehr viele Besprechungen auf der Amazon-Webseite stehen. Bei ihnen vermitteln meist nur die wenigen 1- bis 4-Sterne-Besprechungen ein realistischeres Bild von der Qualität des Buchs. Denn die „bestellten“ Rezensenten bewerten die Bücher fast ausnahmelos mit 5 Sternen.

 

Ebenfalls ein recht realistisches Bild von der Qualität eines Buchs erhält man, wenn man nur die Besprechungen beachtet, bei denen der Vermerk „Verifizierter Kauf“ steht. Denn diese Rezensenten kauften das Buch tatsächlich bei Amazon. Also lasen sie es vermutlich auch, was bei meisten anderen Rezensenten zweifelhaft ist. Dasselbe gilt für Rezensionen, die erst ein, zwei Jahre nach Erscheinen eines Buchs ins Netz gestellt wurden: Sie sind meist „echt“. Denn zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Autoren die PR für ihr Buch schon eingestellt – entweder weil sich dieses aufgrund der Mundpropaganda auch so gut verkauft oder weil es trotz aller PR wie Blei in den Regalen liegt.

 

„Top-Rezensenten“ sind oft nur Schnappchenjäger

Ein gutes Bild, inwieweit man dem Urteil eines Amazon-Rezensenten vertrauen kann, erhält man auch, wenn man dessen Namen anklickt. Denn dann werden alle Produkte angezeigt, die er schon bewertet hat. Zeigt sich dann, dass zum Beispiel der Rezensent eines Fachbuchs für Führungskräfte zuvor nur Liebesromane und solche Produkte wie Kaffeemaschinen besprach, dann kann man nahezu sicher sein: Der Rezensent zählt nicht zur Kernzielgruppe des Buchs. Und vom Thema Mitarbeiterführung hat er null Ahnung.

 

Besonders fragwürdig sind oft gerade die Besprechungen der Rezensenten, deren Name mit einem Zusatz wie „Top 10…“ oder „Top 500 Rezensent“ versehen ist. Denn schaut man, wofür sie schon Bewertungen abgaben, dann zeigt sich meist: Hierbei handelt es sich um ein buntes Sammelsurium von Büchern und allen möglichen anderen Produkten. Deshalb liegt bei vielen Top-Rezensenten der Verdacht nah: Sie sind faktisch Schnäppchenjäger. Das heißt: Sie lassen sich von Unternehmen kostenlos Produkte schicken  und versprechen ihnen hierfür im Gegenzug eine Rezension. Entsprechend sind ihre Rezensionen. In der Regel bewerten sie die Produkte mit 5 Sternen; weniger Sterne vergeben sie extrem selten. Entsprechend sind ihre Besprechungen meist: inhaltlich sehr oberflächlich. Bestenfalls wird nochmals das Inhaltsverzeichnis oder der Klappentext des Buchs in modifizierter Form wiedergegeben.

 

Ähnliches gilt für die meisten gefakten Besprechungen. Ist man zum Beispiel beruflich genötigt, häufiger solche Buch-Besprechungen zu lesen, dann entwickelt man mit der Zeit ein Gespür dafür, welche „gefakt“ sind. Platzt ein Rezensent bei der Beschreibung eines Fachbuchs zum Beispiel fast vor Begeisterung – „das tollste Buch, das ich je las“, „der Kauf ist ein absolutes Muss …“ – dann könnte man fast jede Wette abschließen: Die Besprechung ist gefakt. Dasselbe gilt, wenn solche Begriffe wie „Insider-“ oder „Geheimwissen“ verwendet werden und der Autor mit Komplimenten überhäuft wird wie „ein absoluter Meister seines Fachs“, „ein neuer Stern am …-Himmel“. Dann weiß man: Hier war ein Kumpel oder PR-Unterstützer des Autors am Werk. Also sollte man das Buch nicht kaufen oder zumindest diese Rezension nicht beachten.

 

„Bei Fehlkauf Buch einfach zurücksenden

Und wenn Sie trotzdem einmal, verführt von den vielen positiven Besprechungen, ein Buch bestellen, das sich als Flop erweist? Dann ist das kein Problem. Denn für alle Online-Bestellungen gilt: Zwei Wochen lang kann man die bestellte Ware zurücksenden.

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