25 Mai

Die (Neben-)Kosten der Digitalisierung – ein Zwischenruf

Die Nebenkosten der Digitalen Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft sind hoch. Sie werden in der Managementdiskussion hierüber jedoch nie thematisiert. Dabei wäre dies (überlebens-)wichtig.

 

Neben dem Thema „Agilität“ ist momentan das Thema „Digitale Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft“ das absolute Megathema in der Managementdiskussion – und an diesem Boom möchten auch die meisten Managementberater und -coaches in irgendeiner Form teilhaben.

 

Digitale Transformation ist das absolute Megathema

Deshalb dürften wir – als Marketing- und PR-Agentur für Berater – in den letzten Jahren in mindestens zwei Dritteln der Artikel, die wir als „Lohn-Schreiber“ für unsere Kunden schrieben, sofern diese sich nicht explizit mit dem Thema „Digitalisierung“ befassten, in irgendeiner Form hierauf Bezug genommen haben – und sei es nur in der Form, dass wir auf Kundenwunsch in einigen Nebensätzen solche Buzz-Words wie „Industrie 4.0“, „VUKA-Welt“, „digitales Zeitalter“, „Künstliche Intelligenz“, „Virtual Reality“ usw. droppten.

 

Dabei lautete eine Kernbotschaft fast stets – wie seit 20, 25 oder gar 30 Jahren: Jede Veränderung ist eine Chance – so auch die Digitale Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft. Hurra, also ergreift sie!

 

Auch digitale Transformation hat zwei Seiten

Das mag betriebswirtschaftlich stimmen. Doch volkswirtschaftlich oder „global-wirtschaftlich“ betrachtet? Denn eine altbekannte Volksweisheit ist auch: Jede Medaille hat zwei Seiten. So ist zum Beispiel im Zuge der Digitalisierung der weltweite Strombedarf für das Internet so stark gestiegen, dass das Internet schon 2017, wenn es Land wäre, weltweit beim Stromverbrauch an fünfter Stelle gestanden hätte (2017: circa Terrawattstunden). Und allein für die Herstellung der sogenannten Krypto-Währungen wie Bitcoin, die aus meiner Warte niemand braucht, wurden 2017 57 Terrawattstunden Strom – also über ein 20-zigstel hiervon – verschwendet.

 

Digitale Transformation verschärft Klimaproblem

Das war die Ist-Situation vor circa 1,5 Jahren. Die aktuellen Prognosen gehen davon aus: Der Stromverbrauch des IKT-Sektors wird sich u.a. aufgrund des wachsenden Kommunikation zwischen Maschinen, der Explosion des mobilen Datenverkehrs u.a. durch die Streaming-Dienste bis 2022 fast verdoppeln. Entsprechend steigt weltweit der Energiehunger. Fakt ist: Die Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft macht zurzeit alle Anstrengungen zur Reduzierung des Energieverbrauchs, um den Klimawandel zu begrenzen, zunichte – primär weil der Energiehunger weltweit seit Jahren steigt und steigt.

 

Der Energiebedarf und -verbrauch steigt unermesslich

Eine nicht unerhebliche Rolle spielen dabei auch die Cloud-Dienste – ein weiteres Buzz-Thema. Denn je mehr Personen und Organisationen ihre Daten nicht auf eigenen Rechnern, sondern in einer Cloud, also in externen Rechenzentren, speichern, auf die sie bei Bedarf via Internet zugreifen, umso mehr Elektrizität wird nicht nur für den Daten-hin-und-her-Transport benötigt. Diese gigantischen Rechenzentren produzieren auch eine enorme Abwärme, und um die Rechner zu kühlen wird ebenfalls Energie benötigt.

 

Wie groß diese Rechenzentren – u. a. weil immer mehr Daten in die Cloud verlagert werden – inzwischen bereits sind, ist kaum vorstellbar. In Deutschland befinden sich die größten Rechenzentren mit mehr als 20.000 Servern in Frankfurt. Und ihr Energieverbrauch wird auf über 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der Bankenmetropole geschätzt – Tendenz: ebenfalls stark steigend.

 

Dies ist ein Aspekt, der in der Managementdiskussion über das Thema Digitalisierung mit keinem Wort erwähnt wird. Sie finden darüber auch kein Wort in unseren Artikeln, weil uns als „Lohn-Schreibern“ hierfür kein Kunde auch nur einen Cent bezahlen würde (im Gegenteil!) – also lassen wir ihn beim Schreiben weg.

 

Digitale Transformation schafft einen digitalen Moloch

Dessen ungeachtet ist mein Eindruck: Wir schaffen zur Zeit durch die mit der Digitalen Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft verbundene Vernetzung einen solchen Moloch, dass zumindest in den Industrienationen nie mehr ein Stromausfall passieren darf (sei es durch technische Defekte, Erdbeben, Überschwemmungen, Kriege, Sabotage), denn dann bräche aufgrund der mit der Digitalisierung einhergehenden Vernetzung die gesamte Infrastruktur zusammen – und wie schnell dann das blanke Chaos bzw. der nackte Kampf ums Überleben ausbräche, davon liefert unter anderem der Roman „Blackout“ von Marc Elsberg eine sehr plastische Vorstellung.

 

Wir brauchen einen Diskurs über die Digitalisierung

Zudem machen wir aktuell durch die Digitale Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft – aufgrund des wachsenden Energiebedarfs – alle politischen und gesellschaftlichen Ansätze einer Anstrengung zunichte, den Klimawandel, der da ist, zu begrenzen. Dieses Thema wird leider auch in den Friday for Future-Demonstrationen eigentlich nicht thematisiert – vielleicht weil ohne das Internet  diese Bewegung vermutlich nie entstanden wäre. Dabei wäre eine weltweite Debatte über diese Nebenkosten der Digitalisierung – aus meiner Warte – dringend nötig.

 

Junge Leute geht auf die Straße – wir Alten tun es nicht

Diese wird hoffentlich noch entstehen. Der Impuls hierzu wird jedoch nicht von solchen Grauköpfen wie mir ausgehen – denn einen grundlegenden Wandel des „Mindsets“ anzustoßen (um ein anderes „Buzz-Wort“ und nicht das Wort „Revolution“ zu gebrauchen), war noch nie die Sache von uns etablierten „Alten“.

 

Wir sind bestenfalls noch zu Reförmchen bereit und fähig. Also Jungs und Mädels geht auf Straße, macht Rabatz! Denn letztlich geht es nicht um unsere, sondern Eure Zukunft.

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