09 Jun

Mach’s gut, größter Speaker aller Zeiten

Die Boxlegende Mohammed Ali ist tot. Sie starb nach einem 32 Jahre langen Kampf mit der Parkinson-Krankheit vor wenigen Tagen. Zumindest körperlich weilt somit nicht nur der größte Boxer, sondern auch der begnadetste „Speaker“ aller Zeiten nicht mehr unter uns.

 

Mich hat sein Tod berührt – unter anderem, weil Mohammed Ali der Parkinson-Krankheit ein Gesicht gab, an der auch mein Vater in fortgeschrittenem Stadium leidet. Deshalb schaute ich mir am vergangenen Samstag spät nachts nochmals die ARD-Übertragung des legendären Kampfs „Rumble in the Jungle“ 1974 in Kinshasa an – gegen George Foreman, der zuvor 40 Fights durch K.-o. gewonnen hatte. Ali gewann diesen Kampf nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Boxstrategie, sondern auch weil er trotz der harten Schläge, die er einstecken musste, seinen Gegner sozusagen müde quatschte – bevor er ihn in der achten Runde auf die Bretter schickte und hierdurch zum zweiten Mal „undisputed champion“  aller Verbände wurde.

 

Ali hatte eine große Klappe – und Rückgrat?

Der erste Titel wurde Ali 1967 aberkannt, nachdem er sich geweigert hatte, den Wehrdienst anzutreten und nach Vietnam in den Krieg zu ziehen. Als Gründe für seine Entscheidung nannte Ali seinen islamischen Glauben, zu dem 1964 konvertiert war, und die fehlende Gleichberechtigung der Afroamerikaner in den USA: „Nein, ich werde nicht 10.000 Meilen von zu Hause entfernt helfen, eine arme Nation zu ermorden und niederzubrennen, nur um die Vorherrschaft weißer Sklaven-Herren über die dunkleren Völker der Welt zu sichern.“ …. „Kein Vietcong hat mich jemals Nigger genannt.“ Ali wurde wegen der Kriegsdienstverweigerung zu fünf Jahren Gefängnis und 10.000 US-Dollar Strafe verurteilt – er blieb jedoch gegen Kaution auf freiem Fuß.

 

Zweifellos hatte Ali ein sehr große „Klappe“ – doch er hatte auch eine Haltung. Er nahm die Konsequenzen seiner Weigerung, in den Vietnam-Krieg zu ziehen, in Kauf. Und mit seinen klaren Aussagen zur Rassendiskriminierung in den USA und seiner Weigerung, ein „weißer Neger“ zu sein, zog er sich den Hass vieler weißer US-Amerikaner zu – was in der aufgepeitschten Stimmung der  60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts tödlich sein konnte, was nicht nur die Morde an Malcolm X 1965 und Martin Luther King 1968, sondern auch an John F. Kennedy 1963  beweisen.

 

Keynote-Speaker haben auch was zu sagen – als Person

In diesem Kontext muss man auch die große Klappe von Ali und sein (auf uns Weiße) oft übertrieben selbstbewusst wirkendes Auftreten sehen. Er gab den aufgrund der fast 200-jährigen Sklaverei und Unterdrückung unter Minderwertigkeitsgefühlen leidenden schwarzen US-Amerikanern Selbstbewusstsein und eine Sprache. Er erfüllte somit – anders als die meisten Speaker heute – auch eine gesellschaftliche Funktion. Deshalb ist er für mich der größte Speaker.

 

Dass er sich seiner Funktion bewusst war, sagte der schon von der Parkinson-Krankheit  gezeichnete Mohammed Ali in den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens in zahlreichen Interviews. In ihnen äußerte er sich auch selbstironisch über die starken Sprüche, die einmal neben dem Tänzeln im Boxring sein Markenzeichen waren. Auch das zeichnet eine große Persönlichkeit aus. Mach’s gut, Ali – egal, wo du nun bist.

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