21 Jun

Feministisch – ja oder nein?

Gestern diskutierte ich mit einer Beraterin, für die wir eine Pressemitteilung überarbeiten und verbreiten sollten, darüber, was der Begriff „Feminismus“ bzw. „feministisch“ bedeutet.

 

Der Anlass hierfür war, dass eine Passage in Ihrem Textentwurf lautete: „… Dieses neue Seminar für Frauen ist kein feministisches. Ganz im Gegenteil! Wir schauen uns an Praxisbeispielen auch an, welche Denk- und Verhaltensmuster wir vom ‘starken Geschlecht’ übernehmen sollten. “.

 

Daraufhin fragte ich zurück, ob denn diese Abgrenzung gegen den Feminismus im Text nötig sei. Die Antwort der Beraterin lautete: Ja, denn das Seminar sei “nicht männerfeindlich, sondern auf Kooperation mit dem anderen Geschlecht angelegt”.

 

Feminismus hat nix mit Männerfeindlichkeit zu tun

Da konnte ich mir spontan die Bemerkung nicht verkneifen, dass ich mich eigentlich auch als Feminist verstehe und sehe. Das veranlasste die Beraterin zur erstaunten Rückfrage: „Wieso?“ Meine Antwort darauf war, dass ich auch im privaten Kontext zuweilen merke, dass ich feministischer denke als meine drei Töchter, weil mir bewusst  sei,

  • wie jung gewisse Rechte, die Frauen heute in unserer Gesellschaft haben, sind und
  • wie hart selbst solche Dinge wie, dass Frauen alleine ein eigenes Konto eröffnen dürfen, erkämpft werden mussten.

 

Außerdem, dass ich als Vater dreier Töchter selbstverständlich wolle,

  • dass diese dieselben beruflichen Wahl- und  Entfaltungsmöglichkeiten wie Männer haben (wobei es ihrer Entscheidung obliegt, ob sie lieber Karriere machen möchten oder nicht) und
  • dass sie sich frei und selbstbestimmt im öffentlichen Raum bewegen können, ohne Angst haben zu müssen, dass sie aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Kleidung oder sonst irgendetwas von Männern dumm angemacht werden.

 

Nicht nur Frauen-Rechte müssen verteidigt werden

Ich sagte ihr auch, dass mir der Hals schwelle, wenn ich zum Beispiel höre, dass in Saudi-Arabien jede Frau – gleich welchen Alters – einen männlichen Vormund haben muss, der über sie bestimmen kann. Ähnlich ergehe es mir aber auch  in Deutschland, wenn ich junge Frauen mit Migrationshintergrund verschleiert und in eine Kutte gehüllt hinter ihren Paschas hinterherlaufen sehe, die ihrerseits ganz selbstverständlich nach der neusten, westlichen Mode gekleidet und frisiert sind.

 

Denn dann werde mir immer wieder bewusst,

  • dahinter steckt ein Frauen-, aber auch Männerbild, das nicht dem meinen entspricht und
  • so selbstverständlich – wie auch von meinen Töchtern angenommen – ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch lange nicht.

 

Diese gilt es vielmehr, wie alle demokratischen Rechte sowie Persönlichkeitsrechte  immer wieder zu verteidigen – gerade weil sie zumindest weltweit betrachtet nicht selbstverständlich sind.

 

Ein gewisses historisches Bewusstsein schadet nix

Feminismus hat – zumindest für mich – null mit Männerfeindlichkeit zu tun, sagte ich der Beraterin, sondern bedeute für mich nur, dass

  • man sich in einer gewissen Tradition begreift, also ein historisches Bewusstsein hat, und
  • u.a. die Gleichberechtigung von Mann und Frau als einen gesellschaftlichen Wert ansieht, für den es sich zu engagieren lohnt.

 

Diese Botschaft habe ich auch versucht, meinen Töchtern  zu vermitteln – inwieweit sie ankam, das weiß ich nicht.  Die Beraterin sagte nach meinem „Wort zum Sonntag“ zumindest, sie denke noch einmal über die Passage in ihrem Text nach. Dann war unser Telefonat beendet.

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