09 Aug

Sind die Aussagen von Tönnies rassistisch?

Ups, ich weiß, ich begebe mich Glatteis – und ich hoffe, ich falle nicht auf die Nase. Doch ich kann in den Aussagen des Aufsichtsratschefs von Schalke 04 Clemens Tönnies nichts Rassistisches entdecken.

 

Anders was dies 2001, als Gloria von Thurn und Taxis in einer Talkshow sagte, Afrika habe ein Aids-Problem, „weil der Schwarze gerne schnackselt“. Diese Aussage war aus meiner Warte eindeutig rassistisch, denn sie unterstellte den Afrikanern bzw. Menschen mit schwarzer Hautfarbe kollektiv, sie würden von Natur aus bzw. genetisch bedingt einen stark ausgeprägten und ungezügelten Sexualtrieb haben.

 

Tönnies begründet seine Aussagen nicht genetisch

Anders sieht es aus meiner Warte aus, wenn Herr Tönnies in seiner Rede empfiehlt, das wir Europäer zum Klimaschutz Kraftwerke in Afrika finanzieren sollten, denn: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Dann weiß ich zwar nicht, ob die Realisierung dieses Vorschlags ein effektiver Beitrag zum Klimaschutz wäre; zudem erachte ich die Aussage als „dumm“, weil der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Schalke 04 hätte wissen müssen, welchen Sturm der Entrüstung er mit einer solchen Aussage, die Stammtisch-Niveau hat, entfacht. Doch dass die Aussage rassistisch ist, kann ich, obwohl ich mich intensiv mit dem Thema Stereotypen befasst habe, nicht erkennen, denn: Clemens Tönnies begründet seine Aussage nicht genetisch bzw. rassebedingt, sondern sozial-ökonomisch.

 

Tönnies begründet seine Aussagen sozial-ökonomisch

Er sagt im Prinzip, wenn alle Afrikaner, so problemlos wie wir, Energie zum Heizen und Kochen, zum Beleuchten ihrer Wohnungen, zum Fernsehen und Computerspielen usw. beziehen könnten, dann würden sie auch weniger Kinder zeugen. Er stellt also einen klaren Bezug zwischen ihrer sozial-ökonomischen (Lebens-)Situation und ihrem Verhalten her. Was daran rassistisch sein soll, weiß ich nicht, denn Fakt ist:

  • Afrika ist der Kontinent mit der höchsten Geburtenrate.
  • Afrika ist der ärmste Kontinent bzw. der Kontinent mit dem niedrigsten durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen. Und:
  • Dass zwischen der wirtschaftlichen Situation und Absicherung der Menschen in einer Gesellschaft und der Geburtenrate ein sehr enger Zusammenhang besteht, dieser Aussage dürfte wohl jeder Betriebs- und Volkswirt sowie Soziologe zustimmen.

 

Aussage ist dümmlich, flapsig und zotig, jedoch nicht rassistisch

Was ist also an der Aussage von Tönnies rassistisch? Sie mag dümmlich, flapsig und zotig sein, doch rassistisch? Nein! Ungeachtet dessen regt sich die (gesamte) Presselandschaft – inklusive der von mir sehr verehrten „Süddeutschen Zeitung“, die ich gerade las – darüber auf, dass der Ehrenrat von Schalke Tönnies nicht angemessen bestraft habe.

 

Mir bereitet als „Medienschaffender“ in diesem Kontext etwas ganz anderes Kopfzerbrechen, nämlich:

  • Inwieweit wird diese kollektive Empörung von den AFD-Partei-Bonzen und der „braunen Brut“ in ihrem Umfeld wieder als ein Beleg für die Denkverbote und Meinungszensur in der „bürgerlichen Presse (und Öffentlichkeit)“ gesehen und präsentiert und
  • wie viele Menschen, die (wie ich) insgeheim denken „partiell hat der Tönnies doch Recht“, stimmen dem zu und sehen sich in ihren Vorbehalten gegenüber den „Mainstream-Medien“ bzw. der „Lügenpresse“ bestätigt.

 

Kollektive Empörung nach Reiz-Reaktionsmuster ist kontra-produktiv

Nochmals zur Klarstellung: Ich erachte die Aussage von Tönnies als „dümmlich“ und ähnlich verkürzt wie viele Schlagzeilen in Zeitschriften. Bei jeder „flapsigen“ Bemerkung – egal, wer sie macht – jedoch die „Rassismus-Keule“ auszupacken und eine öffentliche Empörungswelle loszutreten, erachte ich für den gesellschaftlichen Diskurs als kontra-produktiv – unter anderem, weil dies genau dem dumpfen Reiz-Reaktions-Muster der braunen, nicht differenzierenden Brut entspricht.

 

Gerne lasse ich mich jedoch von Ihnen eines Besseren belehren.

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