13 Feb

Welche Zeitschriften lesen Sie als Berater?

„Welche Fachzeitschriften lesen Sie?“ „Welche Tagungen besuchen Sie?“ Das frage ich bei meinen Marketing-Beratungen oft Trainer und Berater, die angeblich auf bestimmte Branchen oder Zielgruppen spezialisiert sind.

 

So zum Beispiel, wenn sie sagen: „Ich bin auf Finanz- und IT-Dienstleister spezialisiert.“ Oder: „Meine Kern-Zielgruppen sind Maschinenbau-Unternehmen.“ Dann stelle ich immer wieder fest: Die meisten Trainer und Berater lesen die Fachzeitschriften, die ihre Kunden lesen, nicht. Häufig kennen sie diese – ebenso wie die relevanten Webportale und Blogs – sogar nicht.

 

Kundenorientierung vieler Berater und Trainer ist gering

Und der letzte Besuch eines Kongresses oder einer Tagung, auf der Mitglieder seiner Zielgruppe über aktuelle Branchenthemen diskutierten? Der liegt, sofern er je stattfand, nicht selten Jahre zurück. Daran schließen sich für mich dann stets (unausgesprochen) die Fragen an:

  • Worauf stützt sich der Trainer oder Berater, wenn er die Themen, die in seiner Branche oder Zielgruppe gerade heiß diskutiert werden, nicht kennt, dann bei seiner Produktentwicklung?
  • Wie findet er dann einen „packenden“ Aufhänger für seine Werbebriefe an seine „Sehr verehrten Kunden“?
  • Wie vermittelt er dann den Besuchern seiner Webseite das Gefühl: Das, was dieser Berater schreibt, ist aktuell und nicht aufgrund seiner Allgemeinheit zeitlos gültig?

Und: Ist die Kundenorientierung des Trainers oder Beraters wirklich so groß, wie er dies auf seiner Webseite postuliert? Zuweilen habe ich daran meine Zweifel.

 

Die Hausaufgaben als Berater und Trainer machen

Ein Standardspruch des Zeit- und Selbstmanagement-Trainers Lothar Seiwert, den ich (lange, lange ist es her) viele Jahre im PR-Bereich betreute, in seinen Seminaren unter anderem für Einzelhändler lautete: „Sie müssen in die Mokassins Ihrer Kunden schlüpfen, wenn Sie ihnen etwas verkaufen wollen.“ Recht hatte er – auch wenn dies viele Trainer, Berater und Coaches leider nicht beherzigen. Und was für mich das Erstaunlichste ist: sogar viele Verkaufs- und Vertriebstrainer und -berater nicht.

 

Artikel-Veröffentlichungen möchten alle Berater, …

Was jedoch allen Beratern und Trainern gemeinsam ist: Sie möchten gerne, dass die Zeitschriften, die sie weder kaufen, noch abonnieren, noch lesen, von ihnen kostenlos Artikel publizieren, denn davon versprechen sie sich eine hohe Werbewirkung. Doch Anzeigen dort zu schalten? Das kommt für sie keinesfalls in Frage, denn das ist im digitalen Zeitalter ja „old-fashioned“ … und zudem kostet es Geld. Bleibt nur die Frage: Wovon sollen die Fachzeitschriften leben, wenn niemand in ihnen Anzeigen schaltet, und nicht mal die Berater, deren Zielgruppen bzw. -kunden sie bedienen, sie abonnieren und lesen?

 

… doch leider fehlt inzwischen oft ein passendes Medium

Wohin dies mittelfristig führt, sieht man im Sales-Bereich, obwohl jedes Unternehmen davon lebt, dass es seine Produkte und Dienstleistungen verkauft und entsprechend viele Personen in Deutschland als Verkäufer arbeiten. Trotzdem gibt es in Deutschland – sieht man von dem Nischen-Magazin SalesExcellence sowie der Zeitschrift werben & verkaufen, die primär eine Marketing- und Agenturzeitschrift ist, ab – keine Verkäufer-Zeitschrift.

 

Fachartikel zum Thema B2B-Vertrieb sind zunehmend unplatzierbar

Entsprechend schwer wird es zunehmend, Verkaufs- und Vertriebsartikel in Zeitschriften zu platzieren – speziell solche, die den B2B-Bereich tangieren; beispielsweise, weil es in ihnen um den Verkauf komplexer Maschinen und Anlagen geht, bei denen sich der Verkaufsprozess meist über Monate, oft sogar Jahre erstreckt, und die entsprechend schwer zu managen sind.

Für solche Fachartikel gibt es im deutschen Zeitschriftenmarkt schlicht keine Abnehmer mehr – worüber selbstverständlich wiederum die B2B-Vertriebstrainer und -berater klagen. Dabei haben sie sich diese Situation teilweise selbst eingebrockt!

 

Einen guten Fachjournalismus gibt es nicht kostenlos!

Überlegen Sie sich deshalb als Berater, Trainer oder Coach, wie wichtig Ihnen eine gute Fachzeitschrift in Ihrem Geschäftsfeld ist … und abonnieren Sie diese, sofern diese noch existiert, gegebenenfalls. Denn: Einen guten Fachjournalismus gibt es nicht kostenlos. Von irgendetwas müssen auch die Verlage ihre Mitarbeiter bezahlen!

 

Wünschen Sie mehr Infos über die Autoren dieses Blog-Beitrags und die Leistungen der PRofilBerater, dann klicken Sie hier. Möchten Sie künftig über neue Blog-Beiträge informiert werden? Wenn ja, dann senden Sie uns bitte eine Mail.