07 Sep

Hirnforscher prognostiziert Ende der Konzerne

Soeben las ich in der neusten Ausgabe von „wirtschaft & weiterbildung“ einen Bericht über den Personalmanagementkongress 2018 des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) in Berlin.

 

Die Überschrift über dem Artikel lautete „Die Hierarchien werden verschwinden“. Darin schreibt der Chefredakteur des Magazins Martin Pichler unter anderem, der Hirnforscher Gerald Hüther habe auf dem Kongress nicht nur ein Ende der Hierarchien, sondern auch der Konzerne vorausgesagt: „Konzerne sind ein Auslaufmodell. Sie werden sich in überschaubare Einheiten zerlegen, die man dann besser führen kann.“

 

Hat der Hirnforscher schon mal von Amazon & Co gehört?

Sofern der Hirnforscher dies so sagte, stellt sich die Frage: Hat er in den letzten Jahren nicht mitbekommen wie ganz neue Mega-Konzerne wie Google (bzw. Alphabet), Facebook und Amazon entstanden? Zudem die Frage: Liest der Hirnforscher keine Wirtschaftsmagazine oder die Wirtschaftsteile überregionaler Tageszeitungen? In ihnen wurde in den letzten Monaten sehr viel darüber geschrieben, welch massiven Konzentrationsprozesse zurzeit außer im IT-Sektor auch in anderen Branchen stattfinden: zum Beispiel in der Finanzbranche, im Pharma- und Chemiebereich.

 

Auch Organisationsberater auch mal nachdenken statt nachquatschen

Zwar haben inzwischen eigentlich alle Konzerne eine Holding-Struktur mit -zig-Tochterunternehmen, primär aus steuerlichen Gründen und um der Tarifbindung zu entgehen, doch deshalb von einem Ende der Konzerne zu reden, ist ja wohl ein Witz.

 

Trotzdem haben die anwesenden Personalmanager bei dem Kongress nach Hüthers Ausführungen vermutlich laut applaudiert, und viele Organisationsberater werden seine Botschaften wohl in die Welt hinaus tragen.

 

Erleben Hierarchien aktuell eventuell ein Revival?

So viel zum Ende der Konzerne. Und zum Ende  der Hierarchien? Sie bleiben in den (Groß-)Unternehmen weiter bestehen – selbst wenn die Manager keine Krawatten mehr und statt eines Anzugs Jeans und Turnschuhe tragen. Denn ohne eine hierarchische Struktur sind Großunternehmen schlichtweg nicht manage- und steuerbar – so zumindest meine These.

 

Deshalb beschäftigt mich aktuell eigentlich viel eher die Frage: Erfolgt in den Unternehmen zurzeit – trotz allen Agilitätsgeredes – nicht gerade ein Revival der Hierarchien, wenn auch in einem anderem Kleid, unter anderem weil sich die Rahmenbedingungen für Führung gewandelt haben?

Wünschen Sie mehr Infos über die Autoren dieses Blog-Beitrags und die Leistungen der PRofilBerater, dann klicken Sie hier. Möchten Sie künftig über neue Blog-Beiträge informiert werden? Wenn ja, dann senden Sie uns bitte eine Mail.