22 Jul

Personal Branding: Nicht nur vor-, auch durchdenken

„Machen wir uns doch nichts vor: Ein Berater ist heute nichts anderes als ein Leiharbeiter im Anzug.“ Mit diesen markigen Worten vermarkten aktuell der „Personal Branding Experte“ Benjamin Schulz und der „Business-Vordenker“ Edgar K. Geffroy ihr Buch „Goodbye, McK… & Co. – Welche Berater wir zukünftig brauchen. Und welche nicht“.

 

Dieses erscheint Ende August und wird  – laut Werbetext – den „Beratermarkt gehörig aufwirbeln“. Das machte auch mich neugierig. Also lud ich mir die Leseprobe des Buchs aus dem Netz herunter, die aus dem Vorwort und dem ersten Kapitel des Buchs besteht. Mühevoll fräste ich mich durch die ersten Seiten – immer wieder leicht irritiert den Kopf schüttelnd, ob der pseudo-wissenschaftlichen Ergüsse, bis ich auf Seite 16 landete und dort las:

 

„Berater sind Leiharbeiter“ – wirklich?

„Machen wir uns nichts vor: Ein Berater ist heute nichts anderes als ein Leiharbeiter in Anzug. Konkret bedeutet das: Ein Berater wird für einen noch nicht festgelegten Zeitraum in ein Unternehmen geholt, weil seine Leistung gebraucht wird – wie die eines Leiharbeiters. Jedoch gibt es drei ganz entscheidende Unterschiede zu einem Leiharbeiter:
1. Der Einsatz des Beraters entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Projekts
/ einer Situation.
2. Der Berater hat die Fäden in der Hand.
3. Der Berater bekommt nicht gesagt, was er tun soll, sondern tut, was er für wichtig hält.
Letztendlich liefert der Berater nur eine Strategie. In die Praxis umsetzen muss sie der Kunde selbst.…“

 

Nach der Lektüre dieser Passage bat ich einen Mitarbeiter von mir: „Bitte halte meinen Kopf fest, sonst bekomme ich eine Gehirnerschütterung“ – so heftig wurde mein Kopfschütteln, ob der inneren Widersprüche und Ungereimtheiten, die allein diese Passage enthält.

 

So fragte ich mich zum Beispiel: Wenn der Berater wirklich „nur eine Strategie“ (treffender wäre wohl einen Lösungsvorschlag) liefert, und der Kunde diese selbst in die Praxis umsetzen muss, wieso entscheidet dann der Einsatz des Beraters über den Erfolg oder Misserfolg eines Projekts oder einer Situation? Der Berater macht doch nichts, außer …. Und: Hat der Berater wirklich „die Fäden in der Hand“? Oder hat nicht stets der Kunde das Sagen – beziehungsweise die Entscheidungs- und Handlungsmacht?

 

„Berater machen, was sie wollen“ – wirklich?

Zudem fragte ich mich: Stimmt es, dass ein Berater „nicht gesagt bekommt, was er tun soll, sondern tut, was er für wichtig hält“? Meines Wissens erhalten Berater von ihren Kunden stets einen mehr oder minder klaren Auftrag. Und was getan (beziehungsweise umgesetzt) wird? Das entscheidet der Kunde. Der Berater macht nur Vorschläge und spricht eventuell eine Empfehlung aus (… und manchmal unterstützt er den Kunden auch beim Umsetzen von dessen Entscheidung).

 

Und noch eine Frage drängte sich mir auf: Verwechseln die beiden Buchautoren Berater nicht mit Interim-Managern, die tatsächlich „Leiharbeiter in Anzug“ sind – jedoch im Gegensatz zu Beratern zeitlich befristet mit einer stellvertretenden Entscheidungs- und Handlungsmacht ausgestattet sind?

 

Manchmal sollten „Vordenker“ Dinge auch durchdenken. Dann würden sie so manchen Nonsens nicht schreiben. Und wenn ein Berater mit einem Leiharbeiter verwechselt wird? Dann hat er – aus meiner Warte – grundsätzlich etwas falsch gemacht; zum Beispiel beim Personal Branding.

 

Ups, jetzt habe ich schon wieder die Aussagen zweier Player im Beratungsmarkt kritisiert, und am Horizont vernehme ich bereits die dümmste aller Repliken, wenn man sachliche und inhaltliche Kritik artikuliert: „Der Kuntz ist nur neidisch, dass er nicht auch so ein Buch schrieb, das den Beratermarkt gehörig aufwirbelt.“

 

Berater kauft das Personal Branding-, Personenmarketing-Fachbuch!

Diesem Vorwurf will ich mich nicht aussetzen. Deshalb hier nochmals der Titel des im Gabal-Verlag erscheinenden Buchs: „Goodbye, McK… & Co. – Welche Berater wir zukünftig brauchen. Und welche nicht“. Und meine Empfehlung: „Kaufen, kaufen, kaufen“. Denn ein, zwei Wochen nach Bucherscheinen kann man diese Empfehlung in den Amazon-Besprechungen ohnehin -zig-fach lesen – garniert mit 5 Sternen. Also nehme ich sie hier schon mal vorweg.

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