28 Aug

Vorsicht! „Abmahn-Industrie“ hat Presse-Artikel entdeckt

Vor zwei Wochen erhielt ein Kunde von uns eine Abmahnung  von einer Anwaltskanzlei wegen unberechtigter Fotonutzung und wurde aufgefordert 450 Euro „Entschädigung“ plus Anwaltskosten zu bezahlen.

 

Dies vor folgendem Hintergrund. Mitte 2017 stellte unser Kunde, ein größeres Beratungsunternehmen, dem Redakteur der Verbandszeitschrift eines Wirtschaftsverbands das Manuskript eines Artikels zum Thema Change-Management zum Veröffentlichen zur Verfügung. Daraus bastelte der Redakteur mit einem Foto, das die Hände von Personen beim „Mensch ärgere dich nicht“ spielen zeigt, aus einer Fotodatenbank einen Artikel, der mit dem der Überschrift „Change nervt!“  in dem Verbandsmagazin erschien.

 

 

pdf von Artikel mit integriertem Foto auf Webseite publiziert

 

Von dem Artikel erstellte unser Kunde nach dessen Erscheinen wiederum eine pdf, die auch das „Mensch-ärgere-dich-Foto“ enthielt, und stellte diese auf seine Webseite. Hierfür erhielt unser Kunde nun eine Abmahnung und wurde wegen unberechtigter Fotonutzung aufgefordert, inklusiv der Anwaltskosten fast 1000 Euro zu bezahlen.

 

Dies sah unser Kunde nicht ein und schrieb an die Anwaltskanzlei bzw. den Anwalt zurück, dass nicht er die „Urheberrechtsverletzung“ begangen habe, denn er habe dem Redakteur bzw. Verband nur das Manuskript sowie ein Portraitfoto von dessen Autor zur Verfügung gestellt:

  • „Der Artikel selbst sowie dessen Layout wurden von der Redaktion erstellt und hierauf hatten wir keinen Einfluss.“ Und:
  • „Veröffentlicht haben wir auf unserer Webseite nicht das von Ihnen genannte Bild, sondern lediglich eine pdf, also ein Bild der ersten Seite des Artikels, das ein von der Redaktion erstelltes eigenständiges Werk ist.“

Deshalb, so die Schlussfolgerung unseres Kunden „sind wir für Ihre Klage die falschen Adressaten“. Trotzdem bot er an: „Davon unabhängig werden wir das Bild des Artikels von unserer Webseite entfernen.“

 

 

Anwalt bzw. Kläger besteht auf Forderung

 

Damit war der Anwalt jedoch wiederum nicht zufrieden. Er schrieb an unseren Kunden zurück:

„Ich vermute stark, dass es sich trotz des von Ihnen geschilderten Sachverhalts um eine Urheberrechtsverletzung handelt. Denn auch in einem PDF wird ein Bild verwendet, wenn das PDF über das Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird…. Diese Nutzung erfolgte zu Bewerbung Ihres Unternehmens. Es wäre wohl notwendig gewesen, sicherzustellen, dass nur Bildmaterial verwendet wird, mit dem Sie auch Werbung machen dürfen. Das war hier jedoch nicht der Fall. Entsprechende Rechte liegen Ihnen nicht vor und können Ihnen auch nicht von der Zeitschriftenredaktion eingeräumt werden. Aus diesem Grund fordere ich Sie erneut auf, die in meinem Schreiben vom 15. August 2018 geltend gemachten Ansprüche bis zum 5. September 2018 zu erfüllen.“

 

 

Anwalt scheint selbst unsicher zu sein

 

Besonders sicher scheint der Anwalt bezüglich seiner Argumentation jedoch selbst nicht zu sein. Das legen zumindest solche Formulierungen in seinem Schreiben nahe wie

  • „Ich vermute stark, dass …“ und
  • „Es wäre wohl notwendig gewesen, sicherzustellen, dass …“.

Trotzdem hält er die Forderung aufrecht.

 

Also bleibt unserem Kunden keine andere Wahl, als entweder einen Fachanwalt für Medienrecht zu engagieren oder das Geld zu zahlen – primär, weil es ihm zu zeitraubend ist, sich mit einem Vertreter der „Abmahn-Industrie“ herumzuschlagen.

 

Ich werde Sie hier weiter über den Fortgang der Angelegenheit informieren … und diese gewiss auch journalistisch aufarbeiten, denn „Mensch ärgere dich nicht“ spielte ich schon immer gerne.

 

 

Beging nicht der Fotograf eine Urheberrechts-Verletzung?

 

Interessieren würden mich zudem zwei Dinge:

  1. Beging der Fotograf nicht selbst eine Urheberrechtsverletzung, indem er ein Mensch ärgere dich-Spiel für gewerbliche Zwecke fotografierte und die Fotos entsprechend nutzte? Und:
  2. Warum wird eigentlich unser Kunde abgemahnt und nicht der Wirtschaftsverband, der die inzwischen eingestellte Verbandszeitschrift herausgab? Besteht bei dem Rechtsanwalt bzw. Kläger eventuell die Befürchtung, dass der Verband eine Rechtabteilung hat, die die Abmahnung – anders als eventuell ein Beratungsunternehmen, das extra einen Anwalt engagieren muss – nicht schluckt?

 

Auf alle Fälle scheint der Fotograf, der ansonsten primär Naturbilder erstellt, Anmahnungen als Einnahme-Quelle für sich entdeckt zu haben. Denn eine kurze Recherche im Internet zeigt: Auch andere Unternehmen als unser Kunde erhielten bereits Abmahnungen von dem Fotografen bzw. seinem Rechtsanwalt.

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