16 Okt

Redner-Videos – so flach wie manch Dach

Der Ausblick ist fantastisch. Ich sitze mit einem Freund in der Abendsonne auf der Terrasse einer Ferienwohnung, lasse den Blick über die Dächer des Städtchens Schruns schweifen und genieße das Alpen-Panorama. „Das ist phänomenal, das muss meine Frau sehen“, denke ich, mache ein Foto und maile es ihr per WhatsApp mit dem Kommentar „einfach spitze“.

 
Kurze Zeit später macht es „Pling“, die Antwort meiner Frau ist eingetroffen. Sie lautet: „Was? Die Dächer? Mehr sieht man kaum.“ Danach folgt ein Smiley. Und meine Frau hat Recht. Auf dem Foto sind wirklich zwei Drittel Dach – während mein selektiver Live-Blick sozusagen nur die Berge und die dahinter untergehende Sonne wahrnimmt.

 

Redner-Videos von Beratern wirken oft fad und langweilig

An dieses Erlebnis musste ich denken, als ich vergangene Woche die Webseite eines Beraters und Vortragsredners checkte und mir auch dessen Videos ansah. Ich fand die Rede-Mitschnitte schlicht langweilig, so vor sich hin plätschernd und wenig inspirierend. Ähnlich erging es meinen Mitarbeitern, die ich bat: „Schaut euch mal die Videos an und sagt mir ….“ Dabei weiß ich: Der Berater ist ein guter Redner, der seine Zuhörer in den Bann zieht. Er ist zwar keiner dieser Bühnen-Clowns, die mit ihren schlichten Gags eine Lachsalve nach der anderen auslösen, doch ein Redner, an dessen Lippen die Zuhörer hängen, weil sie spüren: Der Mann hat uns etwas zu sagen.

 

Doch werden seine Reden mitgeschnitten und weitgehend unbearbeitet ins Netz gestellt, dann wirken sie fad und langatmig – weil auf der Bühne keine Action ist und alles verloren geht, was das Live-Erlebnis ausmacht. Die souveräne Ausstrahlung des Redners, die knisternde Spannung im Raum, die Augen der Zuhörer, die erwartungsvoll auf den Redner gerichtet sind, das andächtige, teils sogar betroffene Schweigen nach Kernaussagen von ihm. Was übrig bleibt ist ein routinierter, doch wenig inspirierender Vortrag. „Wie von einem Professor“, sagte eine Mitarbeiterin von mir. „Alles sehr schlau, doch nach einiger Zeit kann man sich das Gähnen nicht verkneifen.“

 

Bei Rede-Mitschnitten geht das Live-Erlebnis verloren

Mit solchen Rede-Mitschnitten erweisen sich Vortragsredner einen Bärendienst. Von ihnen geht keinerlei werbende Wirkung aus. Im Gegenteil, weil das, was das Live-Erlebnis ausmacht, verloren geht, ist ihre Wirkung meist kontraproduktiv. Solche Rede-Mitschnitte sollten Vortragsredner keinesfalls auf ihre Webseite stellen. Damit Videos dort die gewünschte Werbewirkung entfalten, müssen sie stark bearbeitet und auf wenige, gut inszenierte Kernaussagen fokussiert sein. Und länger als drei, maximal vier Minuten sollten sie nicht sein. Das ist schon sechs bis acht Mal so lang wie ein Werbespot im Fernsehen.

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