02 Okt

Selbstvermarktung: Fragwürdige „Helden“

„Ich kann sie nicht mehr hören.“ „Ich will sie nicht mehr sehen.“ Diese Berater, die, um ihr schwaches Ich zu stabilisieren, permanent das Rampenlicht suchen – sei es als Speaker bei einem Kongress oder Gast in einer Talkshow.

Soeben flimmerten noch die Bilder über das Gemetzel in Syrien und im Irak, den Wahnsinn in der Ukraine sowie die Ebola-Seuche in Westafrika über die Mattscheibe. Und nun sitzt Walter Kohl im Plüschsessel bei Markus Lanz und schwadroniert zum gefühlten tausendsten Mal darüber, wie schwierig seine Kindheit und Jugend als Sohn des Ex-Bundeskanzlers war und dass er sich als 51-Jähriger mit seiner Vergangenheit versöhnt hat (welch Lebensleistung). Und selbstverständlich möchte Kohl, der inzwischen sein Geld als Speaker und Berater in Sachen „Lebensgestaltung“ verdient, mit seinem TV-Auftritt auch sein neues Buch promoten, das er mit Anselm Grün schrieb, einem geistlichen Lebensberater in Benediktiner-Kutte, der so bescheiden ist, dass er auf seiner Webseite sogar handsignierte Bücher von sich selbst vertreibt – und der beispielsweise Finanzdienstleistern so oft als moralisches Feigenblatt bei deren Kundenveranstaltungen dient, dass man sich fragt: Interessieren den geistlichen Hirten eigentlich mehr seine Schafe oder die Schäfchen auf der Bank?

 

Selbstvermarktung oder minderwertige Selbstinszenzierung?

Fast kotz… – oh, so etwas schreibt man nicht – muss ich aber, wenn ich auf der Webseite des Lebensgestaltungs-Beraters Kohl unter der Überschrift „Ein Abend mit Walter Kohl – Ihre Zeit mit Walter Kohl“ lese: „Haben meine Themen Ihr Interesse geweckt und Sie möchten z. B. Ihren Kunden einen ganz besonderen Abend bescheren? Gerne komme ich exklusiv zu Ihnen – Humor, Tiefgang und Nachhaltigkeit inklusive. So ein Abend kann zum Beispiel als Kamingespräch in kleiner Runde, als Dinner oder als Lunch Talk gestaltet werden…“ Glaubt Walter Kohl ernsthaft, dass sich irgendjemand für seine Lebensweisheiten interessiert? Bestenfalls dient der Sohn des Ex-Bundeskanzlers als Deko für das Bankett.

 

In einer anderen Branche nennt man so etwas „Prostitution“ und die Damen, die sich verkaufen, nennt man, abhängig von der Höhe ihres Honorars, entweder Bordsteinschwalben oder Edelnutten. Wen wundert es da noch, dass Walter Kohl, mit seiner von seinem Vater geliehenen Popularität auch das Vorwort für das neuste Buch eines der fleißigsten Biografien-Bastlers Deutschlands, Martin Limbeck, schrieb. Der Hardselling-Experte hat offensichtlich auch seine schwere Kindheit und Jugend entdeckt und beschreibt in seinem neuen Buch „gewohnt schonungslos in vielen persönlichen Episoden“, wie er sich – trotz aller „Hindernisse“ – von einem „No-Name“ zu einem „der meistgefragten Verkaufs-Experten im englisch- und deutschsprachigen Raum“ gemausert

 

Selbstvermarktung der Berater, Vortragsredner ist zuweilen „grenzwertig“

Manchmal bin sogar ich als Marketingberater für Berater erstaunt, welch seltsamen Blüten der Drang zur Selbstvermarktung treibt und welch skurrilen Allianzen sich bilden, um schwachen Egos ein Korsett und eine gewisse Stabilität zu verleihen. Helden sind besagte Berater mit ihren aufgeplusterten Egos und ihren geliehenen oder selbstgebastelten Biografien für mich nicht, selbst wenn sie sich wie Walter Kohl von der „Agentur für Helden“ als Redner vermarkten lassen.

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