24 Sep

Der Trainings-, Beratungs- und Coachingmarkt der Zukunft – 10 Thesen

Die Covid-19-Pandemie hat den Trainings-, Beratungs- und Coachingmarkt nachhaltig verändert – unter anderem, weil in ihrem Gefolge viele Unternehmen und Entscheider in ihnen erstmals eine qualifizierte Erfahrung mit digitalen Lern- und Kollaborationstools sammelten.

 

Die Wiener Wirtschaftspsychologin sowie Trainer- und Coachausbilderin Sabine Prohaska hat – im Dialog mit uns – 10 Thesen, wie sich der Trainings-, Beratungs- und Coachingmarkt entwickeln wird. Diese erscheinen in den kommenden Wochen in mehreren Fachzeitschriften.

 

These 1: Durch die Covid-19-Pandemie wurde endgültig klar: Die Digitalisierung macht vor der Personalentwicklung nicht halt. Das heißt, die firmeninternen Personalentwickler sowie Trainings- und Beratungsanbieter müssen sich künftig verstärkt fragen, ob und wie sie einen Teil ihre Leistungen digitalisieren können und eine diesbezügliche Kompetenz aufbauen.

 

Sabine Prohaska, Wien: Mitglied des VBT-Vorstands

These 2: Im Gefolge der Pandemie stieg nicht nur die Akzeptanz von Online-Meetings, sondern auch Online-Trainings- und -Coachings enorm. Deshalb werden künftig auch die Kunden der Personalentwickler sowie Berater, Trainer usw. verstärkt fragen: Können wir die Trainings und Beratungen auch online durchführen?

 

These 3: In den zurückliegenden Monaten wurde vielen Klienten bewusst, dass ein Online-Beraten, -Trainieren und -Coachen auch Vorzüge hat. So rechnen sich online oft auch kürzere Trainings- und Beratungssessions von zum Beispiel einer Stunde, die sich als Präsenz-Veranstaltungen betriebswirtschaftlich nicht rechtfertigen ließen – auch aufgrund der langen Anfahr- und Abfahrzeiten der Trainer oder Berater bzw. Teilnehmer. Außerdem lassen sich Online-Trainings- und -Beratungen meist auch kurzfristiger bzw. zeitnäher realisieren; also dann wenn gerade ein akuter Bedarf besteht.

 

These 4: Durch die Online-Trainings in den vergangenen Monaten wurde vielen Usern bewusst: Das alte Credo, über digitale Lernmedien lassen sich nur kognitive Lerninhalte vermitteln, stimmt nicht mehr. Unter anderem, weil sie registrierten, dass man zum Beispiel Zoom-Sessions viel interaktiver als gedacht gestalten kann und man in ihnen deutlich mehr vom Gegenüber bzw. den anderen Teilnehmern wahrnimmt als angenommen.

 

These 5: Künftig werden die Trainingsanbieter schärfer begründen müssen, warum gewisse Trainings, Beratungen usw. als Präsenzveranstaltungen durchgeführt werden sollten. Und in der Praxis werden sich speziell, wenn es um komplexe Personalentwicklungskonzepte geht, verstärkt Blended-Learning-Konzepte durchsetzen, die das Lernen in Präsenz-Veranstaltungen mit einem Online-Lernen verknüpfen.

 

These 6: Ohne eine valide Digitalkompetenz werden mittelfristig Personalentwickler sowie Trainer ihr Business nicht mehr ausüben können. Das heißt nicht, dass sie ein Informatik-Studium absolvieren müssen. Sie müssen jedoch so viel IT-Know-how haben, dass sie qualifiziert beurteilen können, welche Lernarchitekturen sich mit der modernen Informations- und Kommunikationstechnik schmieden lassen und für welche Ziele diese eingesetzt werden können. Zudem benötigen sie eine praktische Erfahrung im Nutzen solcher Tools wie Teams, Zoom und Facetime. Sonst werden sie auch von den Spezialisten in den Fachabteilungen – speziell aus dem IT-Bereich – nicht mehr ernst genommen.

 

These 7: Die Personalentwicklungsbereiche werden verstärkt mit den IT-Bereichen der Unternehmen kooperieren müssen. Da sie meist selbst keine IT-Experten sind, sind die HR-Bereiche künftig beim Realisieren moderner bzw. zeitgemäßer Lern- bzw. Trainingslandschaften auf die Unterstützung der internen (bzw. von externen) IT-Spezialisten angewiesen. Das heißt, sie müssen auch deren Sprache sprechen sowie deren technische (statt primär pädagogische bzw. psychologische) Denke verstehen.

 

Sabine Prohaska bei BDVT-Trainingspreisverleihung 2019

These 8: Der Trainingsmarkt bzw. der Markt für Lerntechnologie ist ein Markt im Umbruch. In ihm werden sich in den nächsten Jahren viele neue Anbieter etablieren, die ihre Wurzeln primär im IT-Bereich haben.

 

These 9: Dem Online-Coaching gehört die Zukunft. Das Coaching-Business wird mittel- und langfristig aus Zeit- und Kostengründen ein weitgehend virtuelles sein. Im Markt werden sich verstärkt Blended-Coaching-Konzepte etablieren, bei denen die Präsenzcoachings primär dem Beziehungsaufbau dienen; ansonsten erfolgt das Coachen online.

 

These 10: Der Online-Trainings-, -Beratungs- und -Coachingmarkt ist ein (Wachstums-)Markt im Entstehen. Deshalb haben sich in ihm bisher kaum Qualitätsmaßstäbe sowie Preisniveaus etabliert. Diese werden sich ebenso wie im klassischen Trainings-, Beratungs- und Coachingmarkt jedoch zunehmend entwickeln, sobald dieser einen höheren Reifegrad erreicht.

Sabine Prohaska, Wien

 

Zur Autorin: Sabine Prohaska ist Inhaberin des Wiener Beratungsunternehmens seminar consult prohaska, das über eine E-Learning-Academy verfügt und dessen Blended-Learning-Trainer-Ausbildung mit dem BDVT-Trainingspreis in Gold 2018/2019 ausgezeichnet wurde. Sie ist Mitglied des Vorstands der Vereinigung der Businesstrainer Österreich (VBT).

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